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Lassen Sie Dampf ab.

Erfrischende Tipps für Hitzegeplagte.

Fachkommentar: Mag. Pharm. Adelheid Tazreiter |

Wer von uns kennt die Szene nicht: Franz Joseph, der fesche Jägersmann, trifft im romantischen Wald auf ein junges ungezwungenes Mädel, das ein Liedchen auf der Zither spielt. Malerisch eingebettet in blauen Himmel und Sonnenschein, ein sanftes Vogelzwitschern im Hintergrund.

Von da weg nimmt eine der bedeutendsten Love-Storys der Geschichte ihren Lauf, wie wir etwas reiferen ÖsterreicherInnen schon seit Kindertagen in den Sisi-Schnulzen mitverfolgen durften. Das idyllische Bad Ischl inmitten kitschiger Natur und wunderbarer Landluft wurde zum Inbegriff der Sommerfrische, die das österreichische Monarchen-Paar alljährlich in der Kaiservilla genoss. War es zunächst ein Privileg des Adels, für die Sommermonate auf den Landsitz zu übersiedeln, um dort die gesunde Atmosphäre der Natur und das laissez-faire zu genießen, ließen im Zeitalter der Industrialisierung auch reich gewordene Bürger eigene Landsitze errichten. Wer der elitären Schicht angehörte, fuhr im Sommer aufs Land. Aus dieser Verhaltensweise entwickelte sich der Sommer-tourismus mit Angeboten für Übernachtungen in Posthöfen und Gasthäusern, um auch den weniger Betuchten eine kleine Auszeit zu ermöglichen.

Was im 19. Jahrhundert „in” war, geriet mit der Zeit unter die Räder von schnellen Autos und fliegenden Jets, die den erholungsbedürftigen Gast in weitaus fernere und exotischere Destinationen bringen können, wo statt einem kleinen Weiher unter Bäumen gleich die ganze Südsee für eine prickelnde Erfrischung zur Verfügung steht. Doch der österreichische „Otto-Normalverbraucher” kann während der heißen Monate zwei bis höchstens drei Wochen Urlaub nehmen und muss den restlichen Sommer seinem Arbeitsalltag widmen, was viele Jahrzehnte für die meisten nicht sonderlich problematisch und völlig normal war. Seit ein paar Jahren jedoch gibt es ein neues „normal“ – eines, das Menschen, die in der Stadt leben, nur mehr schlecht ertragen können.

Innerhalb von 60 Jahren haben sich die Anzahl von Hitzetagen (> 30 Grad) und Tropennächten (keine Abkühlung < 20 Grad) im Sommer beinahe verdoppelt.

Die Klimakrise bringt die Städte zum Kochen und die Städter zum Erlahmen. Arbeiten und schlafen werden zur Challenge, sich fit und aktiv zu fühlen beinahe utopisch.

Und da haben sich findige Tourismus-Strategen an frühere Zeiten erinnert. Urlaubsangebote für das Wochenende oder einzelne freie Tage am Land findet man hauptsächlich in Niederösterreich in Regionen rund um Wien, die fahrtechnisch in ein bis zwei Stunden zu erreichen sind und im besten Fall einen Badesee als Bonus liefern können. Semmering, Rax, Ötscher, das Kamptal und sogar der weiter weg gelegene Lunzer See erleben eine neue Blütezeit als Sommerfrische-Destination. Das flüchtige Stadtvolk kann durch die idyllische Natur wandern oder einfach nur im Schatten einer Weide die Seele baumeln lassen und den hitzegeplagten Körper regenerieren. Und immer mehr neue Sommerfrischler suchen sich für die Hundstage gar eine Wohnmöglichkeit im Grünland rund um die Stadt und nehmen für einen erholsamen Schlaf das lästige Pendeln zum Arbeitsplatz in Kauf.

Wer derlei Möglichkeiten hat, sollte diese tunlichst auch nützen. Man hilft damit seinem Körper enorm, die große physische und auch psychische Belastung tropischer Temperaturen zumindest zwischendurch zu mildern. An sich verfügt unser Organismus über ein ausgeklügeltes System der Temperaturregelung. Er reagiert sofort auf äußere Veränderungen und leitet entsprechende Gegenmaßnahmen ein, um unsere Körperkerntemperatur konstant zwischen 36 und 37 Grad zu halten. Schwitzen führt zu Verdunstung auf der Haut und damit zur Abkühlung.

Doch für so viel Hitze sind wir nicht gebaut und benötigen zumindest in der Nacht etliche Stunden Abkühlung, damit unser Organismus wieder entspannen kann. In Tropennächten ist das nicht möglich. Die fehlende Regeneration im Schlaf verstärkt die gesundheitsrelevanten Effekte der Hitze, wir fühlen uns lahm und matt. Im Häusermeer der Stadt staut sich die Hitze noch viel stärker und steht auch in der Nacht zwischen den Gebäuden. Eine nächtlich-kühle Brise ist chancenlos.

An sehr heißen Tagen sinkt der Blutdruck und wir verlieren durchs Schwitzen bis zu zehn Liter Flüssigkeit am Tag. Wer nicht regelmäßig ausreichend trinkt und Elektrolyte zu sich nimmt, muss mit Folgen wie Hitzekrampf, Hitzeerschöpfung oder sogar Hitzekollaps rechnen. Bei akuter Überhitzung kann die Körpertemperatur rasch über 40 Grad (rektal gemessen) ansteigen, sodass sich ein lebensbedrohlicher Hitzschlag entwickelt. Und bei kleinen Kindern und alten Menschen reicht schon ein kleiner Sonnenstich für ernsthafte Beschwerden. Die Zunahme von Spitalsaufenthalten während der sommerlichen Hitzewellen und die steigende Anzahl von Hitzetoten in Europa sprechen eine deutliche Sprache.

So wie wir also neuerdings im Sommer mit Temperaturen wie im tiefsten Süden leben müssen, ist es notwendig, die Gefahren der Hitze für unsere Gesundheit ernst zu nehmen und uns darauf einzustellen. Denn – auch wenn man nicht in Bad Ischl lustwandeln kann – mit ein paar Tipps und Tricks bleibt die Betriebstemperatur des Körpers auch im urbanen Dampfkessel des Sommers unter dem Siedepunkt:

  • Vermeiden Sie im Falle einer Hitzewelle
    direkte Sonneneinstrahlung während der Vormittags- und Nachmittagsstunden. Ein Sprung ins kühle Nass in der Abendsonne ist jedoch sehr zu empfehlen, um vom Hitzestress „runterzukommen“.
  • Denken Sie regelmäßig ans Trinken!
    Der Bedarf an Flüssigkeit und Mineralstoffen ist an Hitzetagen sehr hoch und nur wer diesen Bedarf deckt, ermöglicht seinem Körper, gut zu funktionieren. Es sollten mindestens zwei bis drei Liter pro Tag zugeführt werden (bei Nieren- und Herzschwäche die Menge mit dem Arzt absprechen!) und damit kein Defizit entsteht, muss schon getrunken werden bevor man Durst verspürt!

TIPP
Getränke sichtbar bereitstellen. Optimale Sommerdrinks sind zuckerfrei und nicht eisgekühlt. Am besten eignen sich Mineralwässer, nicht gesüßte Kräuter- und Früchtetees, Elektrolytgetränke u.a.

  • Lüften Sie Ihre Wohnung in den frühen Morgen- und Nachtstunden und dunkeln Sie dazwischen alles ab. Um Schlaf zu finden, helfen kühle Wickel und pflanzliche Mittel aus Ihrer Apotheke. Sind Sie glückliche(r) BesitzerIn einer Klimaanlage, so kühlen Sie die Raumtemperatur nicht zu weit herunter, lediglich einige Grade unter die Außentemperatur. Auch wenn es sich momentan angenehm anfühlt, in eine frostige klimatisierte Wohnung einzutauchen, so sind diese großen und plötzlichen Temperaturschwankungen von heiß zu kalt für unseren Organismus und das Immunsystem eine gewaltige Belastung.
  • Machen Sie es Ihrem Körper nicht noch zusätzlich schwerer durch „deftige“ fett- und zuckerhaltige Kost. Bevorzugen Sie kalorienarme, leichte Speisen mit hohem Wassergehalt wie Gemüse, Früchte und Milchprodukte. Auf diese Weise stärken Sie Ihr Immunsystem durch die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen.
  • Beachten Sie, dass gerade in und um Städte die Schadstoff-Konzentration in den Hitzeperioden immer wieder die zulässigen Grenzwerte überschreitet. Luftschadstoffe wie bodennahes Ozon, Feinstaub und Stickoxide sind typische Gesundheitsgefahren, die die Atemwege belasten und eine bestehende Lungenerkrankung verschlimmern können. Sport oder körperliche Anstrengungen sollten dann vermieden werden! Auf der Homepage der ZAMG (Zentralanstalt für Meterologie und Geodynamik) kann man täglich die aktualisierten Informationen zu Hitze- und Schadstoffbelastung nachlesen: www.warnungen.zamg.ac.at

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