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Raus aus dem Winterschlaf.

Besiegen Sie den inneren Schweinehund.

Fachkommentar: Mag. pharm. Adelheid Tazreiter |

Noch haben dunkle Töne die Herrschaft. Die nass-kalten Tage kommen aus der Dämmrigkeit oft gar nicht heraus.

Zwischendurch kündigt jedoch die Sonne schon ihre Rückkunft an. Warm streckt sie ihre Strahlen nach uns aus und holt uns aus dem Haus. Raus auf die Pisten, rein in den Frühjahrsschnee. Oder den Kunstschnee. Falls die Klimakrise es zulässt. Es sind die ersten Vorboten für ein neues Lebensgefühl. Der Frühling ist nicht mehr weit.

So sehr wir ÖsterreicherInnen den Wintersport jetzt noch genießen, so sicher zeigen sich die ersten Frühjahrsboten. Schneerosen gefolgt von ersten kecken Primelköpfchen künden von Wärme und neuer Energie. Auch die Vögel üben die ersten Lieder und lassen unser Herz höher schlagen. Unsere Psyche lechzt nach Licht und signalisiert unserem Körper hinauszugehen. Bewegung zu machen, sich fit zu fühlen.

Im März denken wir schon an die sonnig-luftige Zeit, die vor uns liegt. Doch unser Geist ist unserem Körper meist weit voraus. Gewöhnt an die heimelige Wärme im Haus fällt es uns schwer uns vom gemütlichen Sofa zu verabschieden. Der Winterspeck tut sein Übriges.

Die neue Lebensenergie im Kopf will sich nicht so recht durchsetzen. Der Schritt hinaus ist mühsam.

Statt Freude und Leichtigkeit machen sich Schlappheit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme breit. Auch Schwindel, Kreislaufschwäche und depressive Stimmungslage sind Symptome dieses häufigen Phänomens im März/April, das als Frühjahrsmüdigkeit bezeichnet wird.

Frühjahrsmüdigkeit ist keine Krankheit im medizinischen Sinn, vielmehr ein Symptom-Komplex, der durch den Wechsel der Jahreszeiten hervorgerufen wird, in denen unterschiedliche Temperatur- und Lichtverhältnisse auftreten. In Breitengraden, in denen man im Sommer bis in die Nacht im Freien sitzen kann und sich im Winter frühabends beim heißen Kachelofen wärmt, erlebt etwa die Hälfte der Bevölkerung den ersehnten Frühlingsbeginn antriebslos und erschöpft.

Kein Wunder, gibt es doch handfeste Gründe dafür:

  • Hormonverschiebungen:In der kalten und dunklen Jahreszeit schüttet der Körper (genauer die Zirbeldrüse) vermehrt das „Schlafhormon“ Melatonin aus. Den Winter über ist der Melatoninspiegel hoch, der Spiegel des „Glückshormons“ Serotonin niedrig. Zu Beginn des Frühjahres signalisieren uns das stärkere UV-Licht, Wärme und Helligkeit, dass der „Winterschlaf“ zu Ende geht. Die Produktion von Melatonin geht zurück, die von Serotonin wird angekurbelt. Der Hormonhaushalt wird durcheinander gewirbelt – eine große Anstrengung für unseren Körper, der mit Müdigkeit und Antriebslosigkeit reagiert. Bis unser Organismus wieder die Balance gefunden hat, vergehen etwa zwei bis vier Wochen.
  • Wechselhaftigkeit des Wetters: Gerade in den Monaten März und April (und manchmal auch noch Anfang Mai) ist der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht mitunter noch sehr groß. Auch die Wetterlagen ändern sich häufig, mal ist es kühl und regnerisch, dann wieder sonnig und frühlingshaft mild. Für unsere Blutgefäße bedeutet das ein Wechselspiel: Ist es warm, erweitern sich die Gefäße und der Blutdruck sinkt. Müdigkeit ist die Folge. Ist es kalt, werden die Gefäße wieder enger gestellt. Dieses Auf und Ab belastet den Kreislauf. Vor allem ältere Menschen und Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen sind betroffen.

Und so helfen Sie Ihrem Körper beim Sprung ins Frühjahr:

  • Steigen Sie schon jetzt um auf leichte Kost mit viel Gemüse und Obst sowie Vollkorn- und Milchprodukten. Das unterstützt Ihren Körper dabei, die leckeren jedoch beschwerenden Kilos des Winters quasi im Vorbeigehen loszuwerden noch bevor die Figur in das neue Frühjahrsoutfit passen soll.
  • Spaß und Sport im Schnee ist eine gute Grundlage den Körper gleich auf frühlingshafte Bewegungsarten wie Wandern, Radfahren oder Laufen vorzubereiten. Auch wenn Sie das Gefühl haben, alles niederreißen zu wollen, müssen Muskeln und Bewegungsapparat auf die neue Belastung erst vorbereitet werden. Ein individueller Trainingsplan vom Fitnesscoach – bei
    chronisch Kranken im besten Fall unter Aufsicht eines Arztes – gewährleistet Vitalität ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

    Tipp
    Viel mehr Spaß macht das Bewegungsprogramm nach der Winterpause mit Gleichgesinnten. Damit aus der Anmeldung im Fitnesscenter auch tatsächlich regelmäßiges Training wird. Oder die Laufrunde am Abend nicht am inneren Schweinehund scheitert.
  • Gehen Sie immer wieder hinaus in die frisch colorierte Natur. Sowohl das saftige Grün und die Buntheit der Blüten haben eine positive Auswirkung auf unsere Psyche wie auch die Gerüche der erwachenden Natur. Saugen Sie das Licht auf, es ist wie eine Therapie für Ihr Gemüt.
  • Die Sonnenstrahlen haben zudem einen medizinischen Effekt. Sie kurbeln die Bildung der wirksamen Form von Vitamin D an, die über den Winter bei den meisten von uns zur Mangelware geworden ist. Weiters ist das UV-Licht auch für die Regulation des sich nun ändernden Nacht-Tag-Rhythmus zuständig und sorgt für die vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen.
  • Wir leben in einer überstürzten Zeit. Die Digitalisierung macht alles viel schneller und setzt uns unter Druck. Wir sind immer und überall erreichbar und online. Stress ist vorprogrammiert. Planen Sie bewusst Phasen der Entschleunigung ein, um Geist und Psyche mit der Eiligkeit des Alltages mitkommen zu lassen. Überforderungen sind sonst unabwendbar und führen zu Schlafproblemen, Freudlosigkeit und depressiver Stimmungslage.
  • Machen Sie Ihr Schlafzimmer zu einer Ruhe-Oase. Wer Geist und Körper viel beansprucht, muss ihnen für die Regeneration eine ausgiebige Pause gönnen: Schlafen Sie regelmäßig ausreichend lange (sieben bis acht Stunden).

Und nicht zuletzt:

Geben Sie sich Zeit, sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen. Nur wer sich zwischen Tatendrang und neuer Euphorie die Zeit nimmt, auch ausreichend zu entspannen, kann den Schwung des Frühlings in ein anhaltendes Wohlbefinden für Körper und Seele verwandeln.

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